Was für ein Mensch war Rene Bastubbe?
Rene Bastubbe wurde am 20 juni 1972 geboren.
Ich selbst habe ihn ca. 1992 kennengelernt. Zuerst haben wir uns nur schreiben
können, da Rene gerade im Gefängnis saß und noch ein starkes
Jahr abzusitzen hatte. Zu zwei Jahren wurde er damals verurteilt, schwere
Körperverletzung, und ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass
sich dieser Mensch wirklich mit dem Geschehenen auseinandersetzte. Kritisch
mit sich und seinem Verhalten umging und versuchte den Sinn in dieser
Situation zu erkennen.
Seine Briefe waren beeindruckend anders als der Rest den ich zu beantworten
hatte. Zu dieser Zeit kümmerte ich mich unter Anderem um die Fanpost
einer Rock – Band, an welche eben auch Rene sich wandte.
Beeindruckend war für mich eben dieser selbstkritische
Umgang mit dem, was ihn in diese Situation gebracht hat.
Kurz gesagt, er hat nachgedacht. Alles hat er hinterfragt in dieser Zeit,
und wir haben uns per Post über diese Dinge ausgetauscht. Es waren
sehr viele Briefe, die dann auch zu mir nach Hause kamen, und Reaktionen
meinerseits, die ich Reihenweise in die JVA geschickt habe.
Natürlich war Musik immer wieder das Thema auf das
wir zurückkamen, und so schickte ich ihm dann irgendwann mal ein
Demo meiner Band. Er war begeistert und ich hatte das Gefühl jemandem
zu schreiben, den ich zwar noch nie gesehen hatte, der aber unsere Texte
verstand und sich darin teilweise wieder fand. Dies war ein gutes Gefühl.
Der Tag kam an dem wir uns in Frankfurt/M. treffen wollten.
Rene wollte mit einem Freund von Nordhausen mit dem Auto zu uns „runter“
fahren, letztenendes holten wir beide vom Bahnhof ab, da das Auto unterwegs
den Geist aufgegeben hatte.
Rene war eine Person, wie ich ihn kennenlernte, der voll
steckte mit Humor und Alle und Jeden mit seinen Entertainerqualitäten
zu unterhalten wusste. So kam es auch, dass er bei einem unserer zahlreichen
Treffen in FAM. Zum „König von Nordhausen“ erklärt
wurde.
Von da an war nur noch vom König die Rede und unsere ganze Frankfurter
Scene lernte Rene Kennen und lieben.
Seine Positive Art verblüffte mich wieder und wieder, hatte er doch
so viel Scheiß erlebt, nicht nur den Knast, und trotz allem war
er voller Lebensfreude.
Rene wurde zum „die – hard – fan“
meiner Band, kam zu jeder Show, die für ihn erreichbar war und war
bald nicht mehr wegzudenken, wenn wir irgendwo spielten. Rene und mich
verband mittlerweile eine enge Freundschaft, die trotz der Distanz nie
an Intensität verlor, ganz im Gegenteil. So wie Rene Frankfurt kennenlernte,
wurde mir Nordhausen näher gebracht und damit Rene`s Freunde und
Scene dort.
Rene musste dann irgendwann doch noch Seinen Zivildienst
leisten.
Er schrieb mir, dass er im ehemaligen KZ – Dora einen platz hat
finden können. Von da an waren unsere Gespräche oft gefüllt
mit dem, was Rene dort begegnete.
Ich war beeindrukt von Rene`s Interesse. Er führte Besuchergruppen
durch die Gedenkstätte, traf Schülergruppen, mit denen er dort
Diskutierte, und Zeigte auch mir und meinen Jungs alles, als wir Ihn besuchten.
Dort machte er Bekanntschaft mit Willi Frohwein, einem ehemaligen Häftling,
von dem er mir immer wieder viel erzählte.
Willi Frohwein sprach an der Beerdigung unter anderem Rene`s ausgeprägten
Sinn für Gerechtigkeit an. Seine Art alles auf das Genaueste zu hinterfragen,
verstehen zu wollen und sich einzusetzen für das es sich lohnte.
Dies war es, was Rene von vielen unterschied und ich war froh, dass es
auf diese Weise an seiner Beerdigung zur Sprache kam.
Rene wurde Vater. Jason – Philip wurde geboren
und ein neues Schwieriges Kapitel begann, denn die Freundschaft zu Jason`s
Mutter hielt nicht an. Es war sehr schwer für Rene diese Trennung
von Jason auszuhalten. Ich steckte in einer Ähnlichen Situation und
so gaben wir uns gegenseitig halt und verbale Unterstützung.
Die Tatsache, dass er nun Vater geworden ist hat ihn wieder einmal auf
eine weitere Stufe des Lebens gehoben. Wenn nicht bisher schon, so war
der Grund für ein Leben nun gewiss. Ich hatte das Gefühl, dass
Rene nun versuchte mit all seinen Erfahrungen, die auch er in seiner Kindheit
mit seiner Familie machte, nun vieles „besser“ zu machen.
Eben mit dem Enthusiasmus, den viele junge Eltern kennen.
Auch ich habe durch den Tod von Rene einen meiner engsten
Freunde verloren, den ich hier aus meiner Sicht kurz beschrieben habe.
Die Art und Weise, weshalb Rene hat sterben müssen ist grotesk und
unwirklich.